Lebenshilfe mit Leidenschaft - 20 Jahre Suchtberatung


Artikel, der in den Regionalen Zeitungen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums erschien



Mitunter treffen die Mitarbeiter der Suchtberatung in Schwabach und dem Landkreis Roth ehemalige Klienten. „Mir geht es gut, ich bin clean und daran hatten die Gespräche bei euch großen Anteil." Solche Sätze sind dann nicht selten. Durchaus ein Gradmesser für Erfolg, der angesichts wachsender Zahlen seit 1996 immer wichtiger geworden ist. Die Feier zum 20. Geburtstag der Suchberatung machte diesen Erfolg sichtbar.

 

Auf dem Bild sind die anwesenden Mitarbeiter sowie der Beratungsstellenarzt Dr. Norbert Günzel zu sehen. Dabei auch Jürgen Meier, links, sowie Dekan Klaus Stiegler (hinten re.) und daneben Bezirkstagspräsident Richard Bartsch. © Foto: Schmitt    

 

Viele Gasballone im Saal trugen Plakate mit Statements von Menschen, die bei der Diakonie Hilfe gesucht haben und heute wieder fest im Leben stehen. Waren es 1996 156 Ratsuchende, um die sich vier Mitarbeiter kümmerten, sind 2015 791 Menschen mit Suchtproblemen in den Beratungsstellen Schwabach, Roth und Greding begleitet worden. Zwölf Sozialpädagogen und Psychologen hatten im vergangenen Jahr 5500 Kontakte mit Klienten. 1996 waren es 1700. Die Suchtberatung der Diakonie ist also ein unverzichtbarer Baustein sozialer Infrastruktur im Kreis Schwabach-Roth. Zum Fest im Evangelischen Haus waren Mitarbeiter, Vertreter von Partnerorganisationen und Ehrengäste gekommen.

 

„Lebenshilfe mit Leidenschaft, Kompetenz und Herz", das erbringe die Suchberatung, sagte Dekan Klaus Stiegler und war erkennbar stolz auf die Leistung im Rahmen der evangelischen Kirche. „Die Zettel an den Ballonen künden von einer beeindruckenden Arbeit", so Stiegler. „Das ist ein Stück Kirche mitten in der Welt an den Grenzen des Lebens für Menschen, die ohne Hilfe nicht mehr weiter wissen", würdigte der Dekan den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Dafür meine höchste Achtung."

 

Der Schwabacher Oberbürgermeister Matthias Thürauf (CSU) überbrachte die Glückwünsche der Stadt und des Stadtrats, wünschte alles Gute für die Zukunft und überreichte einen Scheck. Walter Schnell, Bürgermeister Kammersteins, Stellvertreter des Landrats und Bezirksrat für den Landkreis Roth, nannte die Suchtberatung „kreativ und innovativ". Zugleich sprach ihr Schnell „Respekt und Anerkennung für die schwierige Arbeit" aus, die ein Stück gelebte Nächstenliebe sei, so der stellvertretende Vorsitzende der evangelischen Landessynode. Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Robert Pfann, Bürgermeister von Schwanstetten und Verwaltungsratsmitglied der Diakonie Roth-Schwabach, sowie der stellvertretende Rother Bürgermeister Hans Raithel überbrachten ebenfalls Glückwünsche.

 

Diakonie-Geschäftsführer Jürgen Meier zählte vier Hauptgründe auf, deretwegen die Suchtberatung aus seiner Sicht so gut läuft. „Mit Andrea Krebs und Matthias Münz verfügt sie über eine sehr gute Leitung, hat ein hochprofessionelles Team, ist vielfältig vernetzt und verlässlich finanziert", so Meier. Pro Jahr zahlt der Bezirk Mittelfranken 400 000 Euro. 20 000 Euro steuert die Evangelische Landeskirche bei. 

 

Die Suchberatung der Diakonie Roth-Schwabach ist im April 1996 ins Leben gerufen worden. Zunächst mit einer Beratungsstelle in Roth. Ein Jahr später kam Schwabach hinzu. Seit 1999 existiert eine Außenstelle in Greding. Seit 2010 gibt es 17 Plätze im Betreuten Wohnen. Das Kerngeschäft ist die Beratung von Menschen mit Suchtproblemen. Sie können Stoff gebunden, wie etwa Alkohol, Drogen, Medikamente, oder nicht Stoff gebunden sein, z. B. Glücksspiel, Kaufsucht. Alkohol ist mit 65 bis 70 Prozent der Beratungen allerdings schon immer die Nummer Eins.

 

Neben Einzel- und Gruppengesprächen bietet die Diakonie auch ambulante Rehabilitation mit eigens ausgebildeten Therapeuten an. Bei Bedarf vermittelt die Suchtberatung in Entgiftungsstationen und stationäre Therapieeinrichtungen. Als wichtig hat sich im Laufe der Jahre die Arbeit mit und für Angehörige erwiesen. Beratung für die Familie findet einzeln und in einer eigenen Angehörigengruppe statt. Aufgrund des gestiegenen Frauenanteils existiert auch eine eigene Frauengruppe. Seit 2008 verfügt die Suchtberatung Schwabach-Roth über eine von 20 in Bayern existierenden Fachstellen für Glücksspielsucht.

ROBERT SCHMITT